Social Media Marketing und die gute alte Kommunikation

Als ich zu Beginn des Jahrtausends mein Studium für Public Relations absolvierte, war darin von Facebook und Social Media noch keine Rede. Aber schon damals gab es das Problem, dass Public Relations (PR) von Unternehmen als reine Werbung missverstanden und der Kommunikation keine größere Bedeutung beigemessen wurde. Beides wurde gern unter dem Begriff Marketing verwurstet.

Kommunikation und Werbung

Dieses Verwursten wird auch heute noch gern gemacht. Dabei handelt es sich – so war das jedenfalls mal gedacht – um zwei verschiedene Bereiche:

  1. Die Public Relations (PR), oder sagen wir es deutsch: die Kommunikation. Sie sollte dem Management beigeordnet sein und unter anderem mit ihm Strategien entwickeln.
  2. Diese Strategien werden dann zum Beispiel vom (in der Unternehmenshierarchie untergeordneten) Marketing in werbenden Maßnahmen umgesetzt.

Natürlich ist auch Werbung eine Form von Kommunikation, aber darauf will ich nicht hinaus. Das, worum es hier geht, ist das Verwaschen dieser Trennung, die leider nach wie vor in vielen Unternehmen praktiziert wird. Wenn dieses Unternehmen dann noch beschließt, im Social Web tätig zu werden, sind die Probleme vorprogrammiert: Wer versucht, (ausschließlich) die Prinzipien des klassischen Marketings auf Facebook und Co. umzusetzen, ist zum Scheitern verurteilt. Denn im Social Web geht es nun mal zuerst um Gespräche! Und die finden statt, ob sie nun dabei sind, oder nicht. Eine schlechte Social-Media-Päsenz ist dabei schlimmer als gar keine!

Nicht mit klassischem Marketing gleichsetzen!

Wenn so ein rein marketinglastiger Facebookauftritt dann scheitert, wird gern die Plattform dafür verantwortlich gemacht, statt zu hinterfragen, was man vielleicht selbst hätte anders machen können. Immerhin heißt das doch „Social Media Marketing“! Warum funktioniert dann das, was man jahrelang im Marketing gemacht hat, plötzlich nicht mehr? Also noch schnell ein paar 10.000 Euro in eine Gewinnspiel-App gepackt und Sponsored Ads gebucht. Und wer dafür kein Budget hat, hat eben Pech gehabt. Was? Content? Haben wir keine Zeit dafür!

So funktioiniert Kommunikation nicht

So kann Kommunikation nicht funktionieren! Egal ob im Social Web oder offline. (Zeichnung: Sebastian Hartmann i.A.v. schwindt-pr)

Aber Social Media Marketing ist eben nicht dasselbe wie klassisches Marketing. Zunächst einmal geht es um den inhaltlichen Mehrwert für die Nutzer also um guten, weitersagenswerten Content:

  • Hören Sie Ihren Nutzern zu!Kommunikation im Social Web
  • Beziehen Sie die Nutzer ein!
  • Stellen Sie Fragen!
  • Beantworten Sie Fragen!
  • Gehen Sie sachlich auf Kritik ein!
  • Lernen Sie Ihre Kunden besser kennen!
  • Seien Sie direkt ansprechbar!

Wenn Sie das beherzigen, steigt die Interaktion auf Ihrer Seite, damit die Fanzahlen und – bei gleichbleibend gutem Content – wieder die Interaktion und so weiter. Und wenn Sie sich nicht sicher sind, was Ihre Leser auf der Seite gern lesen würden: Fragen Sie sie doch einfach!

Wenn dann Ihre Präsenz noch gut vernetzt ist, also nicht nur mit Fans, sondern auch mit befreundeten Seiten inhaltlich (nicht werbend!) interagiert  und von der regulären Website und auch im Briefkopf, Mailsignatur und Offline-Material wie Broschüren, Katalogen etc. leicht gefunden werden kann, umso besser!

Und merken Sie’s? Bis jetzt haben Sie noch kein Budget für Apps oder Werbung verbraucht. Das war bislang alles nur gute alte Kommunikationsarbeit! Jedenfalls so wie sie eigentlich gedacht war.

Wenn Sie jetzt eine konkrete Kampagne vorwärts bringen wollen (neues Produkt, Event etc.), dann spricht nichts dagegen, diese begleitend (!) zur weiter laufenden Kommunikation via App, Gewinnspiel oder Werbeanzeige ins Spiel zu bringen – wenn es richtig gemacht wird! Und in der Kür kombinieren Sie dabei noch verschiedene Kanäle zum Transmedia Storytelling.

Das alles zusammen wäre dann gelungenes Social Media Marketing!

Und ja, das erfordert zu allererst Zeit und Ressourcen. Und nein, das kann kein Praktikant mal nebenbei leisten. Das erfordert langfristiges Engagement von jemandem, der das Unternehmen gut kennt!

Mal so gefragt: Wenn Ihnen offline ein Kunde Fragen stellt, dann schicken Sie doch auch keinen Praktikanten hin, um ihm kommentarlos eine Werbeanzeige vor die Nase zu halten, oder?

Diesen Artikel habe ich ursprünglich auf akeplog.de veröffentlicht.
DANKE an Sebastian Hartmann für die Umsetzung der Karikatur!

 

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Annette Schwindt

Bloggerin, Autorin und Beraterin bei schwindt-pr
Ich helfe anderen, ihre digitale Komunikation richtig aufzubauen und/oder zu optimieren. Mein Motto lautet "Einfach Kommunizieren", mich also möglichst verständlich auszudrücken und echte Gespräche von Mensch zu Mensch zu führen! Meine Artikel und sonstigen Veröffentlichungen entstehen aus dem täglichen Dialog mit meinen Lesern. >>> Lesen Sie mehr über mein Beratungsangebot

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9 Antworten

  1. YES!!! Der Tanz um das Produkt oder die Dienstleistung funktioniert nicht mehr sooo richtig. Die Marketingler versuchens mit Social – meinen aber “KAUF MICH” NIMM MICH” Werben? Manchmal frag ich mich – “Wie haben die ihren Lebensparnter gefunden” Wahrscheilich über die Straße gelaufen – eine Tonne Rosen auf das “Objekt der Begierde” geschüttet und noch bevor eine Antwrot kam – ab zum Standesamt :-)

    Kommunikation von Mensch zu Mensch “S o c i a l Media Marketing” Könnte man das “Social” nicht endlich mal verstehen :-) – es steht DA doch schon an erster Stelle!

  2. Grundsätzlich stimme ich Annette Schwindt bei der Stoßrichtung zu. Und auch ich kämpfe immer wieder dagegen an, dass “das Marketing” die PR als Werkzeug vereinnahmt. Doch so wie hier am Anfang dargestellt möchte ich es nicht stehen lassen. Ich wähle bei meinen Vorträgen den Ansatz, dass alles Unternehmenskommunikation ist – vom Pförtner und der Telefonzentrale bis zum Mailing. Und da Reihen sich natürlich auch Marketing und PR ein. Aber nicht der eine als das Lead des anderen, sondern als gleichberechtigte Kommunikations-Disziplinen. Mit eigenen Regeln, mit eigenen Aufgaben und mit teilweise identischen Werkzeugen.

    Leider lernten und lernen Generationen von BWL-Studenten, dass PR ein Werkzeug des Marketings ist. Und gerade in marketinglastigen Branchen wie der PR macht dieses die PR-Arbeit auch sehr schwierig. Doch die Ansicht, PR sei im Management angeordnet, entwickle die Startegien und das Marketing habe diese umzusetzen halte ich auch nicht für zutreffend.

  3. Das spricht mir aus dem Herzen – Danke für den schönen Artikel.

    Das Gute ist dabei, das es immer Eintagsfliegen sind, die dann schnell wieder verschwinden. Denn das Social Web hat ja GsD auch die Möglichkeiten, solches Geschäftsgebaren schnell zu outen und so versuche ich es immer unter ‘Unterhaltungswert à la Kirmes’ zu erklären.

    Hat doch auch meist sehr große Ähnlichkeiten mit dem ‘Steigen Sie ein, fahren Sie mit, noch eine Runde’ vom Auto-Scouter-Ansager oder von ‘Aale,Aale, Aale’ vom Fischmarktverkäufer aus Hamburg, Nicht?

    • Sie sagen es. Nichts ist wichtiger als eine vernünftige und vertrauenserweckende Kommunikation. Denn nur wenn der Kunde dem Produkt, der Dienstleistung und der Firma Vertrauen schenkt wird er das Produkt/die Dienstleistung auch annehmen. Online als auch offline sollte man seinem potenziellen Kunden demnach einen Mehrwert geben. Deswegen finde ich das Corporate Publishing (siehe http://huffmann-business.de/corporate-publishing ) sehr interessant. Es ist mit diesen Methoden leichter, das Vertrauen des Kundes zu erwecken. Allerdings ist es natürlich – im Gegensatz zum Internet – schwerer ihn zu erreichen.