Abmahnungen bei Facebook-Vorschaubildern: 10 Fragen und Antworten

Es ist das derzeit am meisten diskutierte Thema im Social Media Recht Recht: Die Haftung für durch soziale Netzwerke generierte Vorschaubilder und Texte beim Nutzen der Teilen-Funktion (z.B. Facebook “Share-Button”). Der folgende Gastbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Jan Christian Seevogel stellt und beantwortet die zehn wichtigsten Fragen der Nutzer in diesem Zusammenhang:

1) Ist es möglich eine Urheberrechtsverletzung an einem Foto durch die bloße Nutzung der Facebook-Share-Funktion zu begehen?

Ja. Jede Fotografie ist entweder als urheberrechtliches Werk (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG) oder als Lichtbild (§ 72 UrhG) rechtlich geschützt. Das bedeutet, ein Bild darf nur mit Zustimmung des Urhebers bzw. Erstellers vervielfältigt oder öffentlich zugänglich gemacht werden. Indem das Foto in einem sozialen Netzwerk geteilt und das Vorschaubild angezeigt wird, wird das auf dem Vorschaubild abgebildete Foto vervielfältigt und öffentlich zugänglich gemacht. Ob die erforderliche Zustimmung des Rechte-Inhabers vorliegt, liegt in Ihrem Verantwortungsbereich, wenn Sie Bilder teilen!

 2) Gilt die Problematik auch für in der Vorschau wiedergegebene Texte?

Grundsätzlich ja. Sobald ein Text die sog. urheberrechtliche Schöpfungshöhe erreicht hat, ist er schutzfähig und auch insoweit die Zustimmung des Urhebers erforderlich. Je länger und individueller ein Vorschau-Text ist, umso eher ist dies der Fall.

3) Welche rechtlichen Bereiche können neben dem Urheberrecht noch betroffen sein?

Letztlich kann jede Rechtsverletzung, die “weitergeteilt” wird, eine neue Rechtsverletzung darstellen. Verletzt also der weitergeteilte Inhalt bzw. dessen Vorschau fremde Markenrechte, kann durch das Teilen eine erneute Markenrechtsverletzung begangen werden. Verletzt der Inhalt Persönlichkeitsrechte eines Dritten, werden diese durch jedes Teilen erneut verletzt.

4) Muss ich mich also letztlich als Nutzer beim Teilen eines Inhaltes so verhalten und behandeln lassen, als ob ich den Inhalt selbst das erste Mal online gestellt hätte?

Ja, das ist die Konsequenz. Wer teilt, wird so behandelt, als ob er den in der Vorschau wiedergegebenen Inhalt selbst erstmalig in das soziale Netzwerk eingebracht hätte. Es ist sehr hilfreich, sich dies bei jedem Teilen eines Inhaltes vor Augen zu führen. Sie sollten daher vor jedem Teilen sicherstellen, dass

  • Sie die Quelle des Inhaltes (also den Ersteller/Urheber) kennen,
  • der Inhalt keine Rechte Dritter verletzt und
  • die Quelle der Vervielfältigung und öffentlichen Zugänglichmachung (also dem Weiterverteilen in sozialen Netzwerken) zustimmt.

Das A und O ist also zunächst die Quelle des Inhalts ausfindig zu machen. Das ist keinesfalls stets derjenige, der den Inhalt zuletzt geteilt hat, weil auch dieser ihn von einem Dritten übernommen haben kann.

 5) Hafte ich auch, wenn meine Mitarbeiter Inhalte in sozialen Netzwerken teilen?

Wenn dies im Rahmen der Tätigkeit für Ihr Unternehmen geschieht ja. Sie sollten sich daher umfassend durch Schulungen Ihrer Mitarbeiter im Social Media Recht sowie entsprechende Social Media Guidelines absichern.

6) Hafte ich auch, wenn nicht ich selbst, sondern Dritte auf meiner Facebook-Seite Inhalte teilen?

Auch eine Haftung für die Inhalte Dritter ist – jedenfalls nach Kenntnis dieser Inhalte – möglich, vgl. dazu den folgenden Beitrag: Die Haftung des Facebook-Seitenbetreibers für Inhalte Dritter.

 7) Ist das bloße Setzen von Links unproblematisch?

Ja. Das Setzen von Links allein (ohne Vorschaubilder und -texte) ist von dieser Problematik nicht betroffen und zulässig.

 8) Kann ich überhaupt noch den Teilen-Button benutzen oder sollte ich es lieber gleich lassen?

Inhalte (mit Bildern!) zu teilen ist eine der wichtigsten Funktionen in sozialen Netzwerken und zur Vermarktung von Unternehmen und deren Botschaften. Darauf zu verzichten, ist natürlich keine Lösung.

Sie und Ihre Mitarbeiter sollten aber ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das Teilen nicht unproblematisch ist und dass nicht blind jeder auf den ersten Blick interessante Inhalt weiterverteilt werden sollte. Machen Sie zunächst die Quelle des Inhaltes ausfindig. Hat der Seitenbetreiber der Quelle z.B. einen Share-Button in seine Seite integriert, so kann in aller Regel auf eine Einwilligung geschlossen werden.

Beachten Sie aber, dass der Einwilligende nur in etwas einwilligen kann, woran ihm selbst Rechte zustehen. Wer also unberechtigt fremde Bilder auf die eigene Website einstellt und diese mit einem Share-Button versieht, ist auch nicht berechtigt, die erforderliche Einwilligung zu erteilen.

9) In welcher Höhe habe ich mit Abmahngebühren und Schadensersatz zu rechnen, falls ich doch einen Fehler mache?

Das hängt stark vom Einzelfall ab. Es kommt z.B. darauf an, welches Honorar der Fotograf üblicherweise mit den geteilten Bildern für die Verwendung im Internet erzielt. In dem derzeit diskutierten Fall, über den u.a. bereits bei Futurebiz und von Rechtsanwalt Schwenke berichtet wurde, ging es um Abmahngebühren und Schadensersatz in Höhe von 1.800 €. Dabei handelt es sich allerdings zunächst um die Forderung des Abmahnenden, die nicht gerichtlich bestätigt ist und deren Höhe je nach konkreter Fallkonstellation deutlich zu hoch ausgefallen sein könnte.

10) Was sollte ich tun, wenn meine eigenen Rechte in sozialen Netzwerken verletzt werden?

Wenn Ihre Rechte als Urheber in sozialen Netzwerken verletzt werden, können Sie grundsätzlich direkt gegen den Verletzer selbst, ggf. gegen den Betreiber der Facebook-Seite bzw. auch gegen Facebook vorgehen. Oft ist es sinnvoll, zunächst über entsprechende Formulare das soziale Netzwerk auf den Rechtsverstoß hinzuweisen. Einen umfassenden Überblick, was Sie tun können und sollten, wenn Ihre Rechte in sozialen Netzwerken verletzt werden, finden Sie in meinem nächsten Beitrag in diesem Blog.

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Die rechtlichen Informationen sind stark verkürzt dargestellt. Sie sollen eine erste Orientierung ermöglichen, aber können und sollen eine kompetente Rechtsberatung im Einzelfall nicht ersetzen.
Wenn Sie Fragen zu den Themen Social Media Recht, Internet und neue Geschäftsmodelle, Werbung, Marketing, Events, IT, Apps/Games, Lizenzen und Recht bzw. aus dem Verlags- und Presserecht haben, melden Sie sich jederzeit und sehr gern: Kontakt.

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Dr. Jan Christian Seevogel ist als Rechtsanwalt schwerpunktmäßig im Urheber-, Werbe-, IT- und Internetrecht in der Kanzlei Lausen Rechtsanwälte in München tätig. www.seevogel.de - Offizielle Facebook-Seite - Xing-Profil - @inthelaw

19 Antworten

  1. Vielen Dank für diesen Gastbeitrag! Aktuell verbreiten sich zu diesem Thema ja viele Fragezeichen in den Köpfen, daher mal folgende alternative Herangehensweise & Frage: Sollte man von irgendeiner Verletzung eines Rechtes ausgehen wenn man eigene Sharing-Daten zu einem Link anfertigt? Sinnvollerweise sind natürlich dann jene verwendeten Daten (Bild, Headline, Text) aus meinem eigenen Fundus (lizensiert, freigegeben etc pp). Konkret würde es mir nun darum gehen ob ich durch diese “Verfälschung” der Sharing-Daten mir Ärger einhandeln kann. Als Fallbeispiel möchte ich einfach mal folgendes nennen: Ich finde von einem mir unbekannten Blogger einen Artikel super und möchte diesen gerne auf meiner Fanpage posten bzw. auf ihn aufmerksam machen – ihn empfehlen. Nun zeigt mir Facebook entsprechende Link-Sharing-Daten an und da ich weiß das diese Bild/Text-Daten geschützt sein könnten etc pp entscheide ich mich einen Service zu benutzen der mir die Möglichkeit gibt ganz fix eigene Sharing-Daten für diesen Link zu generieren. Letzten Endes Poste ich einen Link zu diesem Blog-Artikel, aber zeige zB mein Firmenlogo an (a la “Wir empfehlen”), eine eigene Headline “Empfehlung des Tages” und eigenen Text. Wäre ich damit auf einer sicheren Seite?

  2. Ich finde dass alles einfach nur traurig.
    Im Grunde macht man damit das ganze Social Networking zu nichte.
    Es wird nicht lange dauern und dann gibt es nur noch klagen weil man damit Geld machen kann.
    Eine Schande. Wenn ich etwas weit erteile mach ich ja Werbung für den Post respektive den Blog. Und als Dank dafür wird man abgemahnt.

    • genau. wie war doch ein buchtitel eines schweizer schullehrers: angst macht krumm…
      das netz ist in seiner virtualität fast unendlich, hat also grosse ähnlichkeit mit der gier des homo sapiens sapiens alles zu verdinglichen, sich einzuverleiben….dazu passend ein kurzer video von stevecutts.com, man……und noch viel mehr zu diesem thema vom tim o’reilly.
      bedenkt frau, wieviele juristInnen jährlich sei es in der schweiz und in deutschland abschliessen……diese müssen gefuttert werden
      commons bedeuten wealth, dies zu erkennen muss der menschliche neocortex erst noch
      begreifen.
      emily-patrice

  3. Ich würde da gar nicht mal so viel Panik haben. Bei diesen Abmahnungen geht es immer um den Verlust, den ein Künstler erlitten hat. Bei der Größe der Vorschaubilder ist der entstandene Schaden gleich Null – vergleicht man das bspw. mit kommerziellen Bilddatenbanken, dann erkennt man, dass man mit dieser Grüße kein Geld machen kann. Daher steht das Ganze auf wackeligen Beinen IMO.

  4. Pingback: Social Media Sharing Policy - Mehr Rechtssicherheit beim Teilen auf Twitter, Facebook Google Plus - Urheberrecht Vorschaubild
  5. Vielen Dank. Toller Artikel. Eine Ergänzung mit Hinweisen zu Creative Commons und wie es sich hier mit dem Vorschaubilder verhält, halte ich zusätzlich für sinnvoll. Ich teile den Artikel gerne!

  6. @Albert Kühner
    Das Urheberrecht bezieht sich auf das eigentliche Bild und sagt über die Bildgröße gar nix aus.
    Wenn ich von einem Künstler ein Thumbnail auf meinem Blog einbaue ohne Genehmigung ist das genauso verboten, wie wenn ich das Bild in groß einbaue.

    Und bei kleineren Blogs tun dir auch schon 200-300 € weh

  7. Auch ich finde, es wird wirklich mit allem Geld gescheffelt. Wer einen Link teilt hat doch in der Regel nicht den Hintergedanken damit Rechte zu verletzen. Unsere Welt ist eng geworden. Eng und engstirnig. Ich weiss es gibt Leute, die nur darauf warten, dass jemand die Bilder, die sie ziemlich dilletantisch gemacht haben weiterverbreitet um dann die große Abzocke abziehen zu können. Nur noch traurig.

  8. Den Artikel habe ich gern geteilt – natürlich ohne Vorschaubild und unter Veränderung sowohl der Headline als auch des Vorlauftextes. Ob da tatsächlich im Sinne des Urhebers ist, ist natürlich fraglich. Sollen wir künftig als Blogger/Schreiber/Journalisten unter jeden Artikel eine Vermerk machen wie: “Dieser Artikel darf geteilt werden aber bitte blenden Sie das Fotos aus, denn es ist Lizenzpflichtig” o.äh.? Und wenn wir das täten, wäre das überhaupt rechtsgültig?

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