Machen Sie das offline auch so?

Jedesmal, wenn mich jemand fragt, wie man geschäftlich in Social Media aktiv sein könne, ohne dabei als Person sichtbar zu werden, sehe ich folgende Szene vor mir und frage mich, ob derjenige das offline auch so macht:

Verkaufen Sie offline auch so?

Dieser Cartoon entstand wieder in Coproduktion mit dem unübertrefflichen Sebastian Hartmann in nächtlicher Facebook-Messenger-Sitzung. Danke, Sebastian! Die Idee dazu war übrigens bei den Aufnahmen zur Hörweide im Gespräch mit Wibke Ladwig entstanden.

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Annette Schwindt

Bloggerin, Autorin und Beraterin bei schwindt-pr
Ich helfe anderen, ihre digitale Komunikation richtig aufzubauen oder zu optimieren. Mein Motto lautet "Einfach Kommunizieren", mich also möglichst verständlich auszudrücken und echte Gespräche von Mensch zu Mensch zu führen! Denn das geht auch online! :-) Meine Artikel und sonstigen Veröffentlichungen entstehen aus dem täglichen Dialog mit meinen Lesern. >>> Lesen Sie mehr über mein Beratungsangebot

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18 Antworten

  1. Tschuldigung – aber Quatsch.

    Als Angestellter einer Agentur ist es mein Beruf, mit Firmen umzugehen. Es gibt ganz viel Grauzone dabei: Springer-Verlag? Werbung für Kinder-Handies? Homöopathie-Zeugs? Kosmetik aus Tierversuchen?

    Meinem Arbeitgeber und Kunden gegenüber stehe ich in der Pflicht, „bis zu einer verantwortlichen Grenze“ loyal zu sein. Meiner Familie schulde ich nicht weniger als das Einkommen, dass meiner Tochter einen _guten_ Kindergarten finanziert. NPD-Website nein, Vattenfall mit Bauchschmerzen, Bioland gerne. Aber was ist mit Schlecker, LIDL und so Läden, in denen ich privat keinen Feuerlöscher kaufen würde, selbst wenn ich in Flammen stünde? Was ist mit Abmahnanwälten und so… –Leuten?

    Es muss für mich als Mensch möglich sein, im Netz klar und laut Stellung zu beziehen gegen werbefinanzierte Websites, während ich im Arbeitsleben immer und überall auch mal gezwungen sein werde, irgendwas „halt zu machen“, sprich: Den Banner einzubauen, den ich zuhause mit allen Mitteln weg drücke.

    Wie soll ich es dem (hypothetischen) Kunden Abmahnanwalt, den mein Chef nun mal an Land gezogen hat, klarmachen, dass ich seinen Beruf für „ganz unten“ halte — und gleichzeitig seine Website bauen? Machst Du das „offline“ auch?

    Hier wird der gesellschaftliche Widerspruch auf den Einzelnen abgewälzt. Lass dich doch feuern? Nein. Das ist auch „offline“ völlig normal, dass man Widersprüche hat: Trage ich auf einer Beerdigung meinen geliebten Kapuzenpullover oder den verhassten Anzug?

    Diese Tüte über dem Kopf ist nichts anderes als: Ein Grundrecht. Der geschäftliche Verkehr und Erfolg muss dahinter zurückstehen.

  2. Ja, ich sehe es genau so. Ich bin unabhängige Stampin’ Up! Demonstratorin und wie viele andere meiner Kolleginnen auf der Suche nach neuen Kunden. Der ursprüngliche Gedanke ist, dass man bei Partys, wie bei Tupper die Ware anbietet. Aber auch online ist es möglich. Und da beobachte ich immer wieder, dass Kolleginnen noch nicht einmal ein Foto von sich oder Mailadresse etc auf dem Blog haben. Als Kunde möchte ich doch auch wissen, mit wem ich es zu tun habe. Wie soll ich was verkaufen können, wenn ich nicht präsent bin?

    Danke für die vielen Infos und Tipps. Leider komme ich nicht immer dazu, alles zu lesen.

    Viele Grüße

  3. ups,
    beinahe wäre mir die Emailadresse nicht mehr eingefallen, welche ich hier angab – ich habe so viele, damit ich immer anonym bleiben kann :D

    Ich bitte die Damen zu entschuldigen,
    dass ich mich erst derart spät „zurück“ melden kann, doch die Mutter eines Bekannten ist Palliativpatientin und deren Weg scheint nicht mehr weit… – ich schenkte ihm deshalb gerne, die letzten zwei Tage meine Zeit.

    Zuerst,
    bevor ich zur werten Frau Felicitas Isler komme,
    möchte ich mich voll und ganz – der mir leider anonymen :) – Frau Sylvia Eigenwillig zuwenden:
    Fast war ich eben zu Tränen gerührt, auf welch’ eloquente Art & Weise Sie mir hier die Stange gehalten haben ! Ich kann’s gar nicht anders sagen als:
    Ich fühlte mich beim Lesen Ihrer Zeilen nicht nur bestens Vertreten, sondern fast vom Thron gestoßen :)
    Nur zu blöde, dass sich so anonym, ein Thron nicht wirklich genießen lässt – nur deshalb sah ich es gelassen, dass da jemand so erfolgreich an meinem Stuhlbein sägt ;)
    Das sind die schönen Momente im Netz:
    Fast zu Tränen gerührt sein zu können; es zu genießen & zu lächeln – ohne zu wissen wer dies genau ist, weil es mich schon tief berührt, dass es so jemanden überhaupt (noch) gibt.
    Liebe Frau Eigenwillig,
    ich habe all Ihre Zeilen sehr genossen – Dankeschön !

    Oh oh, Fr. Isler,
    da halten Sie also meine Frage, welche ich mir einst stellte, für abwertend und beleidigend ?
    Und Sie scheinen wirklich der Überzeugung, dass – da ich ja hier anonym in Erscheinung trete – ich mich dies „face to face“ nicht getrauen würde zu äußern ? :)
    Nun,
    dann mal der Reihe nach… zuerst möchte ich Sie hier kurz zitieren:

    „Meine Erfahrung ist eher die, wer online nicht zu seiner Meinung stehen kann, kann es auch offline nicht und wenn man nicht dazu stehen kann, was man sagt, sollte man vielleicht besser gar nichts sagen…“

    H Ö L L E in Not :D
    wissen Sie eigentlich wie still & ruhig diese Welt wäre,
    wenn tatsächlich all jene, welche offline nicht genauso zu ihrer Meinung stehen können wie sie dies online tun, gar nichts mehr sagen würden ? – erschreckend still :)
    Und nur mal so am Rande:
    Wenn ich mir diese / Ihre Zeilen noch genauer betrachte, so würde ich fast behaupten wollen, dass man eher diese als abwertend und beleidigend bezeichnen könnte.
    Würde ich über Sie so denken, wie Sie – diesen / Ihren Zeilen nach zu beurteilen! – über mich, dann würde ich Ihnen dies aber anders vermitteln, sprich direkter und zwar am allerliebsten offline :) denn online hat den bedauerlichen Nachteil, dass man eben nicht sehen kann, wenn dem Gegenüber sozusagen das Gesicht herunter fällt.

    Wissen Sie Fr. Isler,
    Frau Eigenwillig hat es schon brillant beschrieben, mit dem Beispiel des unsympathischen Arbeitskollegen, und mit all jenen „Baustellen“ die sich alleine nur in dieser Richtung, mit einem Klarnamen auftun könnten.
    Es gibt eben Menschen, welche es mit der Ehrlichkeit & mit der Wahrheit sehr genau nehmen – deshalb ja auch meine These, dass mindestens die Hälfte welche tatsächlich jene Formel leben können: „online = offline“, dass diese eben KEINEN Klarnamen benutzen, denn diese Menschen interessiert nur, wie sie im Internet oder online, am wenigsten heucheln und schauspielern müssen, bzw. wie sie am ehrlichsten bleiben können. Anhand vom Beispiel von Frau Eigenwillig ist klar aufgezeigt, wie man online am ehrlichsten bleiben kann – ich bezweifle dass ich auf solch’ einen brillanten Vergleich gekommen wäre.

    Dieser hat mich nun jedoch auf eine noch weitergehende Erklärung gebracht:
    Frau Isler,
    ich habe eine Tochter & sehr oft auch einen „Schwarzen Humor“, wobei bekanntlich hinter jedem Humor ein „bisschen“ Wahrheit zu Grunde liegt.
    Auf meinem Facebook-Profil zum Beispiel, da habe ich erwähnt, dass man nach meinem Ableben meine Seele gut im Auge behalten sollte, denn mein Beruf / meine Berufung für’s nächste Leben, diese wurde schon im Heute entschieden, denn im nächsten Leben werde ich Terrorist :D
    Diese Aussage entspricht meinen Gedanken über so Vieles das ich in diesem Leben habe sehen, lernen & erleben müssen. Allerdings betrifft diese keineswegs mein jetziges Leben, jedoch gibt es viel zu viele Menschen, welche das anders verstehen wie es im Grunde gemeint ist oder was es eigentlich nur – über mein Innerstes – aussagt. Nun habe ich aber auch noch eine Tochter, gerade einmal Mitte Zwanzig, deren Arbeitskollegen auch den Vornamen ihrer Mutter wissen, während meine Tochter als ledige Frau noch meinen Nachnamen trägt.
    Glauben Sie ernsthaft,
    dass ich gar so weit gehen möchte – nur wegen eines Klarnamens – dass sich auch noch bei meiner Tochter unnötige „Baustellen“ ergeben ?
    Wie sollte eine so junge Frau, welche auch noch ihre Mutter gerne verteidigen wollen würde, denn damit umgehen, wenn nun Arbeitskollegen verbreiten, dass deren Mutter eine Terroristin ist oder gerne eine wäre – nur weil man nur oberflächlich verstand, was ja die meisten gerne tun ?!

    Ich wählte bewusst dieses Beispiel,
    denn sicher werden Sie doch nun wieder behaupten wollen, dass ich im offline nicht zu meinem Berufswunsch im nächsten Leben stehen könnte :)
    Ach Fr. Isler,
    ich kann Ihnen garantieren, dass ich diese „Berufung“ am liebsten der Angela erklären würde – „face to face“ mit Frau Merkel – denn sie hat derartige Erklärung wohl am nötigsten.
    Und wissen Sie was das schöne daran ist,
    wenn man ein Profil ohne Klarnamen hat ? Man kann sein wahres Ich entfalten, und nur all jenen den Profilnamen verraten, bei denen man sich wünscht, dass diese einen ganz & gar kennen lernen können, und einen somit auch voll und ganz verstehen werden.

    Bevor ich anfing diese Antwort hier zu schreiben,
    da stand mir eigentlich nur im Sinn, meinen Klarnamen, sprich meinen bürgerlichen / wahren Namen hier preis zu geben, inkl. der Berufung für’s nächste Leben :D
    Doch ich spürte auch,
    dass die Motivation dahinter keine Tugend wäre, sondern jenes Geltungsbedürfnis, welches erst durch Fr. Eigenwillig seinen Glanz & Drang erhielt.
    Demnach ist es viel eher eine Tugend, hier nun weiter anonym bleiben zu wollen, denn diese somit entgangenen Lorbeeren, diese sollte ich mir im offline verdienen & ernten.

    Und wieder möchte ich am Ende klar betonen,
    dass sich mein Kommentar nur auf Privatpersonen & auf Privat-Profile bezieht.
    Die Arbeit von Fr, Schwindt ist unantastbar,
    zumal ich selbst schon sehr von dieser profitiert habe – auch wenn’s mich auf dieser Seite oft schüttelt, was sich facebook hier & da hat schon wieder hat einfallen lassen, das… :D

    Ich wünsche allen eine schöne & gute Zeit !

  4. Hm… so unterschiedlich ist das Empfinden :). “Selbstdarstelllung bis Exhibitionismus” würde ich sehr wohl jemandem ins Gesicht sagen, wenn ich es denn für den Beweggrund hielte. Und natürlich sind wir alle mit jeder unserer Äußerungen (auch hier) Selbstdarsteller. Im Gegensatz zu Ihnen werte ich das allerdings nicht als abwertend oder beleidigend, eher als unbequeme Wahrheit, die ich nicht so gern unter die Nase gerieben bekomme ;).

    Was die kohärente Persönlichkeit betrifft bin ich prinzipiell bei Ihnen. Bezogen auf fb möchte ich aber noch ein anderes Szenario “in den Raum schmeißen”:
    Ich arbeite in einem Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern. Im “echten Leben” hat mir ein Kollege das Du angeboten, obwohl er mir zutiefst unsympathisch ist und ich im Umgang mit ihm gerade eben die notwendige Höflichkeit (mitnichten Freundlichkeit) an den Tag gelegt habe. Ich habe abgelehnt, was sogar mir nicht leicht gefallen ist.

    Würde ich auf fb meinen Klarnamen verwenden, würde ich ganz sicher Freundschaftanfragen von Kollegen bekommen, die ich ablehnen müsste. Ich bilde mir sicher nicht ein, so “begehrt” zu sein, aber es gibt ja auch Motivationen wie Neugier, Sammelwut etc. Damit setze ich mich u. U. Diskussionen aus (Warum nicht??), auf die ich überhaupt keine Lust habe.

    Was ist die Alternative? Ich nehme an, sortiere diese Kollegen aber in eine Liste, die nur das zu sehen bekommt, was auch die Öffentlichkeit sehen kann. Abgesehen vom Fehlerrisiko (beim Posten mal nicht aufgepaßt und besagte Liste mit erwischt) empfinde ich das für mich ganz persönlich als verlogen. Ich gaukle nämlich einen Kontakt vor, der de facto gar nicht besteht.

    Ich scheue ganz sicher keine Konfrontation, aber manche “Baustellen” muß ich nicht ohne Not eröffnen :).

  5. @Felicitas:
    Ich stehe ganz sicher IMMER zu meiner Meinung (man sagt mir Ehrlichkeit bis zur Gnadenlosigkeit nach), aber ich unterscheide sehr wohl, welchem Empfänger ich welche Information zukommen lassen möchte. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich eine Information EINER einzigen Person zukommen lasse, die diese dann evtl. aus dem Kontext gerissen! weitererzählt, der Verbreitungskreis wird relativ begrenzt sein, weil das immer wieder erzählen vergleichsweise anstrengend ist und das Interesse nachlässt.

    Ein Inhalt im Internet dagegen ist ohne jegliches Nachdenken im Bruchteil einer Sekunde tausendfach/millionenfach verbreitet und der wichtigste Unterschied:
    Der Mensch vergißt sehr wohl (und ziemlich schnell), das Internet dagegen vergißt nie.

    Ob man es als zwei Welten betrachtet oder irgendwie anders bezeichnet: Ich verhalte mich in einem Fußballstadion anders als in der Oper, deshalb wird niemand meine Authentizität bezweifeln. Andere Rahmenbedinungen erfordern üblicherweise ein anderes Verhalten.

    • Ich besuche werde Fussballstadien noch Opern, da kann ich leider nicht mitreden ;-)
      Aber ich weiss natürlich was Sie meinen, dass jeder Mensch verschiedene Rollen hat z.B beruflich und privat oder eben eventuell noch ein “digitales Ich”. Dass all diese Rollen meist nicht eins zu eins deckungsgleich sein können ist völlig klar. Doch ich halte es trotzdem für sinnvoll und erstrebenswert, dass diese verschiedenen Facetten möglichst nahe beieinader liegen sollten mit dem Ziel eine kohärente Persönlichkeit aufzubauen, die sich frei und unverstellt bewegen kann, egal wo und in wessen Umfeld sie sich gerade befindet.

      Beispielsweise im obigen Posting von Myriam fällt doch auf, dass sie teilweise ziemlich abwertend und beleidigend ist, etwa im Abschnitt “Selbstdarstellung bis Exhibitionismus ? …” Solches würde wohl niemand unter Klarnamen veröffentlichen oder jemandem direkt ins Gesicht sagen und genau hier sehe ich das Problem von anonymen Postings! Das geht meiner Meinung nach schon Richtung Cybermobbing…

  6. Der Cartoon ist aber insofern unzutreffend, als dass der Kunde bereits seine Ware hat. Im Internet ist es aber mittlerweile usus, dass man bei einem Kauf in Vorkasse tritt.

  7. Normalerweise steht die Marke des Unternehmens im Vordergrund und ich muss in einem Geschäft nicht wissen, ob das die Frau xy ist. Ich vertraue in der Regel der Reputation des Unternehmens, wer dann an der Kasse steht oder mich bedient, ist unerheblich.

    Abgesehen davon: Ich wurde offline noch online jemals von einer Person mit Maske bedient oder angesprochen. Insofern verstehe ich den Zusammhang zwischen Bild und Text nicht. Es sei denn, es spielt darauf an, dass gerade Karneval ist. ;-)

  8. @ Myriam M.: Ich hätte es nicht besser formulieren können. Business ist eins, Privatleben etwas völlig anderes. Danke :-)

    LG
    Sylvia
    die weiter ihre fb-Paranoia pflegt *g*

  9. Liebe Frau Sennhenn,

    obwohl die Frage von Fr. Schwindt klar auf das geschäftliche Verhalten bezogen ist, so erwähnen Sie in Ihrem Kommentar / in Ihrer Antwort darauf, dass sich Ihre Meinung auch auf das Verhalten von Privatpersonen bezieht.
    Somit fühle ich mich angesprochen und möchte antworten, sprich dagegenhalten, da ich es „einwenig“ anders sehe als Sie.

    Sie empfinden oder betrachten es also als „befremdlich“, wenn Menschen online nicht einen Klarnamen verwenden.
    Mir hingegen geht es diesbezüglich eher umgekehrt – rein bezogen auf Privatpersonen (nur zum Verständnis für Fr. Schwindt, da ich deren Frage im geschäftlichen Sinne sehr gut nachvollziehen und auch selbst unterschreiben kann!) –, denn ich habe mir eine Zeit lang jene Frage zum „Studium“ gemacht:

    „Was genau veranlasst den Menschen, sprich eine Privatperson im Internet oder wie es hier bezeichnet wird als online, gerade auf solchen Seiten oder in solchen Foren wie FACEBOOK, seinen Klarnamen dafür zu verwenden, wenn er fast jeden Tag dort etwas oder etwas mehr postet ?“

    Vor ca. 7 Jahren besaß auch ich ein Profil auf Facebook mit meinem Klarnamen, und in meiner Freundesliste befanden sich tatsächlich Personen, welche ich real & schon lange Zeit persönlich kannte. Doch schon als es bei mir um so eine läppische Sache (Anwendung?) ging, wie Beispielsweise sich täglich das Horoskop zusenden zu lassen, schon dabei stellten sich mir alle Nackenhaaren als ich die Bedingungen dieser „Anwendung“ las:

    „…Sie erklären sich bereit für folgende Datenfreigabe(n)…FREUNDESLISTE inkl. derer Daten…“ bla bla bla ;)

    …ich hatte 80 Freunde in meiner Liste,
    doch um Himmels Willen:
    Ich kann NUR für alle Daten die sich auf MICH beziehen sprechen – wollte ich also diese „Anwendung“ installieren und deren Bedingungen akzeptieren, so müsste ich, was von mir der Anstand erwartet, alle 80 „Freunde“ erst einmal anfragen, ob ich auch etwas von ihnen preis geben darf.
    Es waren damals ca. 3-4 „Anwendungen“ welche mich interessierten, doch immer beim Aufrufen musste ich lesen, dass all die Anwendungen sehr an meiner Freundesliste interessiert zu sein scheinen, denn alle verlangten die Freigabe dieser Daten…
    … dieses System war mir sehr „unsympathisch“, abgesehen davon konnte ich mir dann hochrechnen – bei 80 „Freunden“ in meiner Liste – wie hoch die Gefahr war, dass diese Anwendungen installieren und somit nicht daran denken, dass sie damit auch mich mit ins Boot ziehen, durch deren Freigabe ihrer Freundesliste !

    An diesem Punkt sind wir nun erst einmal für meine Hauptmotivation der Entscheidung:

    „Keinen Klarnamen mehr (auf besonders facebook) & keine Personen mehr in meiner Freundesliste, welche mir wirklich wichtig sind und welche ich tatsächlich real und persönlich kenne“

    Denn von diesen 80 Freunden hatten fast die Hälfte diese Anwendung mit dem täglichen Horoskop – die Erkenntnis, wie viele Personen in meinem realen Umfeld somit„verantwortungslos“ mit „Freunden“ umgehen oder gar nicht verstehen (wollen?) was sie da tun…, diese wollte ich mir online ersparen, denn schon offline ist mir diese Erfahrung traurig bis schmerzhaft.
    Und mit all diesen Erfahrungswerten wurde mir dann auch ganz schnell bewusst, welch ausgeklügeltes oder brillant ausgekochtes System hinter Facebook steckt – da kann ich wohl all meine Daten auch jedem Geheimdienst übermitteln, und immer noch wird dieser damit nicht so viel über mich gesammelt haben können wie es facebook tut und nach geraumer Zeit… haben würde.
    Und da kann ich selbst, noch so vorsichtig sein – mit Bspw. 80 Freunden in meiner Freundesliste, da habe ich das nicht mehr selbst in der Hand !
    Und das war vor 7 Jahren – ich möchte nicht wissen, was heute so alles zu den Bedingungen bei „Anwendungen“ zählt… ich habe nie wieder eine verwendet. Ich will gar nichts mehr sehen… es belastet mich…

    Nun, liebe Frau Sennhenn,
    nun kommen wir zur Motivation jener Personen, welche wie Sie der Meinung sind, dass es „befremdlich“ ist, in solchen Netzwerken wie facebook NICHT den Klarnamen zu verwenden.
    Da gibt es grob gesehen zwei Gruppen:

    1. sehr junge Menschen, die sich all dessen und der eventuellen Folgen noch gar nicht bewusst sein können
    2. erwachsene Personen, welche durchaus verstehen können sollten, denn ansonsten wären diese gar nicht geschäftsfähig, sprich jede Annahme von Bedingungen (AGB’s) auch für Bspw. „Anwendungen“ wären ein ungültiger bis nicht rechtskräftiger Vertrag

    Sie Frau Sennhenn,
    Sie zählen sehr wahrscheinlich zur 2ten Gruppe :)
    und genau deren Motivation, alles unter Ihrem Klarnamen zu posten und zu veröffentlichen (für die ganze Welt), genau diese habe ich hinterfragt, bzw. mir Gedanken darüber gemacht, was Sinn & Zweck hinter dieser Motivation sein könnte.

    Mal ein Beispiel:
    Wir gehen ja fast alle so ca. 1 bis 3 Mal in der Woche irgendwo – OFFLINE :) (ich übernehme nun jene hier verwendete „Sprache“) – in einem Supermarkt etwas einkaufen. Nun meine Frage an Sie, Fr. Sennhenn:
    Stehen Sie dort der Kassiererin dann gegenüber und sagen, wenn diese Sie abkassieren wird:

    „Guten Tag, ich bin Ulrike Sennhenn !“ ?

    Und nur zum besseren Verständnis:
    Wir befinden uns hierbei in einem Umkreis von ca. 100 Metern bis 20 Kilometer,
    was man jedoch auf facebook öffentlich macht, das entspricht dem Umkreis von weltweit (man sehe mir bitte nach, dass ich die Kilometerzahl nicht genau kenne, denn geographisch bin ich der absolute Looser) !

    Verwenden Sie diese Punkte-Sammel-Karten bei all Ihren Offline-Einkäufen, Fr. Sennhenn?

    Sagen Sie bitte jetzt nicht:
    „Nein, auf keinen Fall, weil…(was geht andere an was ich so alles einkaufe)!“ ;)

    Also was genau steckt hinter der Motivation, im Internet als Privatperson jedoch gerne überall mit dem Klarnamen aufzutreten ?

    Selbstdarstellung bis Exhibitionismus ?
    Ein Mangel an jener Aufmerksamkeit, die andere einem im offline eben nicht schenken ?
    Ein gesteigertes Geltungsbedürfnis, welches man offline sozusagen nicht an den Mann bringen kann, während sich die Abwendung anderer, von einem selbst, im Online-Modus nicht wirklich aufzeigt und man somit eine Art „Schein“ pflegt ?
    Große Defizite im offline Leben, welche man online versucht zu verdrängen bis auszugleichen ?
    Oder anders ausgedrückt:
    Ein armes oder unbefriedigendes Privatleben, welches online angereichert werden soll ?
    Den genialen Ort im Online nutzen, der eine unvorstellbar große Bühne für einen bereit hält, da man keine Bühne mehr im Offline hat oder einem dort alles viel zu klein und unbedeutend erscheint ?
    Jene extreme Schüchternheit oder Menschenscheue überlisten, welcher man im Offline unterliegt ?
    … etc.

    Mögen andere dies alles sehen wie sie möchten,
    doch gleich welche „Frage“ mir zu den Motivationen dahinter einfallen, so kann ich nur sagen:
    Es nennt sich „SOZIALES Netzwerk“ oder „SOZIALES Netzwerken“,
    doch ich sehe gerade dann nichts mehr wahrhaft Soziales darin, wenn man den Klarnamen verwendet, bzw. deine Freundschaften & Kontakte online pflegt.
    Ganz im Gegenteil,
    ich sehe darin eine sehr „unsoziale“ Zukunft; Menschen, welche sich früher oder später dadurch, im offline nicht mehr selbstbewusst genug zu bewegen wissen, bzw. immer mehr „Bühne“ im offline verlieren…was meines Erachtens nicht gut ist. Denn im Grunde haben sie damit ihre wahre(n) Problematik(en) nur weiter genährt, anstatt gegen diese produktiv (offline) vorgegangen zu sein.

    Es gab mal auf facebook dieses „schöne“ Beispiel:
    „Man sollte im Internet nur das äußern, was man offline auch auf einem Marktplatz ebenso/gleichermaßen laut & allen berichten würde!“

    Nun Frau Sennhenn meine letzte Frage an Sie 

    Würden Sie laut auf einem Marktplatz Ihre Meinung äußern, dass Sie es als „befremdlich“ empfinden, wenn Menschen auf Bspw. „sozialen Netzwerken“ wie facebook nicht ihren wahren, bürgerlichen Namen benutzen – und würden Sie dann jener / meiner Diskussion standhalten können, wenn ich einer jener Menschen wäre, der sie dann genau darauf auf dem Marktplatz ansprechen würde / ganz sicher wird ?

    Ich bezweifle,
    dass Sie dann all meinen Fragen offline standhalten würden oder diese beantworten (wollen?) könnten, denn bilateral (unter 4 Augen) ist etwas ganz anderes als online… schon alleine die Mimik und die Körperhaltung des Gegenübers; das unsichere Umfeld eines öffentlichen MARKTPLATZES; all jene nicht einschätzbaren Zuhörer… etc.

    Fazit:
    online ist eben NICHT gleich offline !
    Ich wage zu behaupten, dass maximal 2% bis 5% von facebook usern (und dies ist nicht untertrieben, eher im Gegenteil) in der Lage sind im Offline-Modus, sprich im realen Leben, alles genauso vertreten und tun zu können, wie sie dies im Online-Modus, also auf facebook äußern und tun.
    Und weiter wage ich jenen Verdacht,
    dass mindestens die Hälfte jener, welche diese Formel beherrschen „online = offline“, dass diese eben nicht mit ihrem Klarnamen auf facebook auftreten.

    Nun stelle ich an mich selbst eine Frage, damit diese auch geklärt wäre:

    Würde ich diese Diskussion hier, auch vor einem TV-Kamera-Team führen wollen & können, welche live und danach weltweit in allen Sprachen ausgesendet werden würde ?

    Selbstverständlich würde ich dies sehr gerne tun wollen und mit Sicherheit auch können –

    doch genau hier liegt der Nenner auf den ich heraus wollte:

    Weder für mich, noch für diese Diskussion interessiert sich „die Welt“, bzw. ganz sicher kein TV Sender, denn das wäre ja äußerst kontraproduktiv in unsagbar vielen „wichtigen Anliegen“ der Politik und Weltwirtschaft, etc.
    Fazit:
    Wieso sollte ICH also einen Klarnamen verwenden –
    keine Sau (auf Deutsch gesagt!) interessiert sich für meine Ansichten, ganz im Gegenteil… also warum soll ich mir jenen Schein des „Größenwahns“ denn antun, indem ich meinen Klarnamen verwende… :D … nur um mich „großartig“ fühlen zu können, ohne es wirklich in der realen Welt zu sein !?
    Noch nicht mal im online bin ich hiermit „großartig“, denn ich „diskutiere“ hier LEDIGLICH nur mit Ihnen, bzw. gebe ein Feedback auf lediglich einen einzigen, winzigen Kommentar – in diesem unendlich großen Reich namens „world wide web“ oder Internet :)

    Was genau liegt mir denn – am Herzen? – nun hieran, wenn ich mir so viel Mühe gebe, um einem einzigen, mir wild fremden Menschen, der auch noch eine ganz andere Einstellung als ich hat, hier so viel zu berichten… und dies auch noch ANONYM ?

    Tja, es ist alles nicht so einfach wie man denkt :)

    Einen schönen Tag Ihnen noch & weiter viel Spaß im „world wide web“ !

    PS: Im geschäftlichen Sinne – also nicht als Privatperson – wie es von Fr. Schwindt hier ja eigentlich gemeint ist, da stimme ich Fr. Schwindt mit dieser bildhaften Darstellung & Ihrer Ansicht darüber, vollstens zu:

    Es macht durchaus Sinn, eine gewünschte Anonymität im Geschäftlichen ins Lächerliche, ja sogar bis ins Dubiose ziehen zu wollen / zu können, denn hinter anonymen Geschäften steht wohl selten etwas Seriöses bis Legales…

    Dennoch hoffe ich auf die Freigabe meines Kommentars, denn er bezieht sich ja auf die Ansicht einer hiesigen Kommentatorin.
    Dankeschön!

    • Es gibt nicht zwei Welten eine Offline-Welt und eine Online-Welt. Es gibt nur eine Welt!
      Meine Erfahrung ist eher die, wer online nicht zu seiner Meinung stehen kann, kann es auch offline nicht und wenn man nicht dazu stehen kann, was man sagt, sollte man vielleicht besser gar nichts sagen…
      Ich finde darum die Devise, die auch heute noch in vielen Schulen verteten wird, dass Kinder sich im Internet nicht zu erkennen geben sollen, grundfalsch. So erzieht man Feiglinge, die dann andere mobben, anpöblen etc. ohne dafür die Verantwortung zu übernehmen. Starke Persönlichkeiten stehen zu sich online wie offline!

  10. Auf mich macht es – auch als Privatperson – einen befremdlichen Eindruck, wenn sich jemand hinter einem Phantasienahmen versteckt. Stehe ich zu dem, was ich hier öffentlich schreibe? Würde ich das so auch im persönlichen, direkten Gespräch sagen? Das war schon immer mein Entscheidungskriterium …

    Mein Eindruck ist, dass es der Mehrheit nicht gelingt, das Verhalten “vom real life” auf das Virtuelle zu übertragen … und das führt dann zu solchen Kuriositäten, wie sie im Bild dargestellt werden ;-)

    Herzliche Grüße, Ulrike Sennhenn

  11. Das wird auch offline so gemacht. Das sieht man immer wieder an den Komikern, die auf fliegende Gebrauchtwagenhöker hineinfallen.

  12. Da Bild ist doch aber zutreffend. Wenn ich irgendwo etwas kaufe und bar bezahle, dann mache ich das anonym. Es gibt auch keinen Grund der dagegen spräche. Der Verkäufer muss nicht wissen, wer ich bin.
    Wenn ich hier im Blog etwas kommentiere, dann mache ich das auch anonym (jedenfalls für die anderen Mitleser, die meine Email-Adresse nicht zu sehen bekommen). Auch hier ist meine wahre Identität völlig irrelevant.
    Ich sehe nicht, warum das auf Facebook und Co. anders sein sollte. Jedenfalls solange man mit Seiten kommuniziert, die ebenfalls von irgendeiner grauen Person im Hintergrund administriert wird. Bei direkten Kontakten mit Personen, die man auch persönlich kennt, ist das natürlich etwas anderes, da macht Anonymität ja mal gar keinen Sinn, weil man sich sonst nie finden würde.
    Bei einem direkten 1:1-Kontakt mit einer Firma gebe ich mich selbstverständlich namentlich zu erkennen, alles andere wäre unhöflich. Aber keinesfalls in einer öffentlichen “Gesprächsrunde” aka FB-Seite.