„Geh auf die Menschen ein“ – Interview mit Gerhard Schröder #meinweginsweb

Gerhard Schröder

Nach langer Zeit wieder mal ein Interview zu meiner Reihe #meinweginsweb, die ja ja offen weiter läuft. Diesmal beantwortet Gerhard Schröder meine Fragen. Er war hier auch schon in Sachen YouTube als Gastautor tätig und dürfte vielen v.a. aus Google+ und Instagram bekannt sein. Seine Leidenschaft gehört dem Bewegtbild. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

Bitte stelle Dich kurz vor

Gerhard SchröderGerhard Schröder, ich wohne in Oberhausen, arbeite in Essen „auf Zollverein“ und verbringe viel Zeit mit (herum-)reisen für meine Firma. Auf Facebook, Twitter, YouTube, Instagram, Snapchat, Periscope und Co. bin ich unter dem Namen PADLIVE zu finden.

Drei Hashtags: #Tanzen #Tee #Technik

#Tanzen: Bereits als junger Mann habe ich diese Leidenschaft entdeckt und auch zum Beruf gemacht. Als Tanzlehrer, Leiter einer Tanzschule und professioneller Turniertänzer. Heute ist es ein Hobby, bei dem ich meinen Kopf frei machen kann und auch manchmal den Büroalltag vergesse.

#Tee: Kein Tag ohne Tee, am liebsten heissen Earl Gray. Mit Kaffee habe ich mich noch nie anfreunden können und deshalb haben wir in der Firma auch einen prellgefüllten Teeschrank.

#Technik: Ein Interesse, das ich noch länger verfolge als das Tanzen und das heute in gewissem Sinne ja auch den Mittelpunkt meines beruflichen Lebens ausmacht.

Oder etwas formeller: #Video #Content #Marketing

Diese drei Hashtags sind die Verbindung, die Verschmelzung all meiner beruflichen Erfahrungen, die sich in der Hauptausrichtung meines Unternehmens zum Ausdruck bringen.

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?

Online bin ich seit circa 30 Jahren.

30 Jahre? Zur Erklärung: Ich bin durch meinen Vater mit 11 Jahren (1980) zur Programmierung und dann – ich meine – 1986 via FIDOnet und dann über LaTeX zum heutigen Web gekommen.

Damals (TM) gab es noch kein „Internet in der heutigen Form“, aber es gab das FIDOnet. Und lange vor den heutigen BarCamps gab es schon FIDO- User-Treffen, bei denen man seine Mail-Box-Nummer (Vorläufer der heutigen eMail-Adresse) auf dem T-Shirt trug. So wie heute bei einem BarCamp die Badges mit dem Twitter-Namen. Für mich war FIDOnet das erste „technische/soziale Netzwerk“ – wenn auch kein Social Network der aktuellen Couleur.

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?

Die erste Firmenwebsite gestaltete ich 1997 oder 1998 für meine damaligen Arbeitgeber aus dem Mittelstand. 1999 wechselte ich in eine Online-Agentur in Bielefeld. Ein lieber Agenturkollege erzählte mir dann von seinem Projekt/StartUp ZOCKS.de. Damit begann meine „eigene Web- Publikation“ – eben das, was man heute Bloggen nennt. Daher möchte ich den Kollegen Mathias Nousch als einen wichtigen Impulsgeber bezeichnen.

Weitere Weggefährten im Social Web waren einige Jugendfreunde, weitere Agentur- Arbeitskollegen und die Mitspieler/Gildengefährten aus Everquest 1, Dark Age of Camelot, World of Warcaft, Age of Conan, EVE Online und Guild Wars 2. Achtung: Gaming ist auch eine eigene Social Community-Filter-Bubble, die bereits zu dieser Zeit stark aufgestellt war. 😉

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt?

Mit dem Aufstieg des klassischem Internets und den ersten Foren tauchte ich 1997/98 in die Welt des WWW ein. Erinnert sich noch jemand an FunCity, eine der ältesten Communities des deutschsprachigen Internets, die vom niedersächsischen Radiosender ffn gegründet wurde? Diese Foren waren für mich die „nächste soziale Evolutionsstufe im Web“. Es gab sogar schon kleine User-Profile und Real-Welt-Treffen. Heute können die wenigsten noch etwas mit Sätzen wie: „Kennst DU den XY in RL?“ anfangen!

Meine ersten Blog-Beiträge schrieb ich, wie oben angedeutet, für ZOCKS, ein Multi-Autoren-Gaming-Blog. Sowas war damals total IN bei Web-Agenturen. Danach kam eine eigene Website mit Kurzgeschichten und 2008 habe ich auf blog.de meinen ersten „richtigen“ Blog gestartet. Er war dann 2008/2009 für ein Nischenthema wichtigste deutsche Inspirations- & Informationsquelle als Blog.

Als einstiger Verkaufsleiter für studiVZ war ich dann natürlich auch früh bei Facebook aktiv. Man lernt viel dazu und auch die Plattformen verändern sich, deshalb habe ich circa 2010 ein neues Profil angelegt. Heute tummele ich mich auf diversen Plattformen unter dem Namen PADLIVE. Der Name entstand 2010 als URL für meinen neuen Blog zum Thema „Digital Publishing mit dem iPad“.

Das Digital Publishing wurde mit steigenden Bandbreiten und der Entwicklung der (Mobile-)Technik immer umfangreicher. Wo es einst nur Text als Mittel der Wahl gab, rückte visuelles Storytelling, zunächst über Bilder, dann auch über Bewegtbild immer mehr in den Mittelpunkt. Im Rahmen meines Publishing-Blogs testete ich deshalb früh die Möglichkeiten der Bewegtbild-Produktion mit dem iPhone. Daraus entstand ein weiteres Hobby, das sich in den letzten 2,5 Jahren immer weiter professionalisiert hat. So wurde aus meiner einstigen Ein-Mann-Beratungsfirma ein nun 13- köpfiges Video-Marketing-Team. Wir sind ein „Full-Service-Video-Dienstleister“ geworden. Von der Bewegtbild-Strategie, Hashtag- & SEO-Analyse über die Produktion bis zur Promotion (inkl. Video- Ads bei Facebook/-SEO/-SEM) decken wir alle Bereiche der Bewegtbild-Kommunikation ab.

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?

Ich möchte jetzt mal die nicht die üblichen Dinge nennen, die sicher schon viele vor mir in der Interview-Reihe genannt haben. Ich habe in den vielen Jahren immer wieder festgestellt, dass es um die Menschen an den Devices geht: Was sind deren Träume, Wünsche, Sorgen und Nöte? Geh darauf ein. Das nicht zu tun, ist der größte Fehler, den du machen kannst.

Wenn du einen Draht zu deinen Mitarbeitern hast, kannst du ihre Bedürfnisse erkennen und reagieren. Teilzeitregelungen, wo jemand privat mehr Zeit benötigt oder Fortbildungen, um den Mitarbeitern neuen Input zu geben sind da nur ein paar Beispiele.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?

Teste im kleinen Rahmen ob deine Ideen lebensfähig sind. Lade nur ein paar Freunde und wohlwollende Kritiker ein. Keine Ja-Sager, sondern Leute die Dir echtes Feedback geben.

Es gibt so viele Kurse zu allen Bereichen der digitalen Kommunikation – ich bin selbst Dozent – aber es gibt ein paar Bücher, die man auf jeden Fall gelesen haben sollte. Da fallen mir besonders die englischen Bücher von Gary Vaynerchuk ein. Gut gefallen haben mir auch die deutschen (Social-Media-) Bücher von Kerstin Hoffmann, Vivian Pein und Thomas Schwenke.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?

Das wechselt mit den Jahren. Ich sage immer „die Herde zieht weiter“. Früher war man bei studiVZ, dann bei Facebook und nun… je nach Filterblase bei WhatsApp, Snapchat, Instagram usw. Ich bin aktuell gern auf visuellen Plattformen, die ich selbst bespielen kann: Also Instagram oder SnapChat. Meine Ansprüche für Web-Videos (YouTube und Co.) sind gestiegen, daher halte ich mich dort privat eher zurück…

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?

Trend EINS: AR/VR/360-Grad-Video in all seinen Facetten. Ich denke dieses Thema ist 2016 auf dem Weg zu einer größeren Zielgruppe (mit Handy) und wird sehr schnell sehr wichtig. Deshalb beschäftige ich mich schon länger mit diesem Thema und gemeinsam mit meinem Team finde ich Ideen und erstelle Konzepte, wie man diese neue Art der Bewegtbild-Kommunikation für uns und unsere Kunden nutzen kann. Und da wir uns früh mit diesem Bereich beschäftigt haben, realisieren wir bereits jetzt umfangreiche Kombi-Projekte (Micro-Content + Video + 360-Grad-Foto & Video) fürs Social Web.

Trend ZWEI: Auch Live-Streaming ist ein Thema, das immer mal wieder aufgetaucht ist, aber durch Facebook-, YouTube-Live und Twitter-Periscope als Nachfolger von Google-Hangouts aus dem Jahr 2013, jetzt eine viel breitere Masse erreicht. Wir sind daher mit Facebook- & YouTube- Live (mit bis zu 7 Kameras bei einem Dreh) im Livestream-Einsatz für unsere Kunden unterwegs.

Bei beiden Trends gilt: Machen, wenn es zum Konzept passt. Nur bitte nichts übers Knie brechen, außer man möchte „First Mover“ sein. Dann ist es halt Teil des Konzepts…

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitale Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?

Schaut Euch die aktuellen Trends an – legt Euch sofort einen Account an! Dann wartet je nach Lust/Laune/Zeit ab, wie es sich entwickelt. Damit habt Ihr wenigstens einen zentralen Wunschnamen gesichert und könnt eine „Ein-Name-Strategie“ für alle Plattformen fahren. Bei mir ist es eben PADLIVE auf Snapchat, Instagram, YouTube, Periscope, Vine, Twitter und auf Facebook. 😉

Vielen Dank fürs Mitmachen, Gerd! 🙂

Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb.

Wohin geht es mit dem Bloggen? – Ein Gespräch mit Falk Hedemann

Annette Schwindt und Falk Hedemann

Annette SchwindtHallo Falk und vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Gespräch bereit erklärt hast, in dem es sich darum drehen soll, wohin es mit dem Bloggen geht. Du gehörst ja wie ich zu denen, die ihr Blog noch über den Inhalt definieren und nicht nach „Klicks und Kohle“, wie Du das neulich so schön nanntest. Kürzlich hast Du einen Blogbeitrag veröffentlicht, in dem es darum geht, doch einfach mal seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten, statt auf dubiose Gebrauchswanweisungen zu hören – denn es gibt nunmal kein Pauschalrezept, auch wenn das einige noch so hartnäckig in die Welt schreien. Was hältst Du von den Bloggern/Blogs, die sowas versprechen, und gehören wir mit unserer Einstellung echt zum alten Eisen?

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Instagram geschäftlich nutzen – Ein Gespräch mit Kristine Honig

Annette Schwindt und Kristine Honig

Annette SchwindtLiebe Kristine, Du hast ja im vergangenen Oktober einen eigenen Instagram-Account für Deine geschäftlichen Bilder eröffnet und dazu einen Artikel in Deinem Blog veröffentlicht. Wir haben uns dann kurz in den Kommentaren  darüber ausgetauscht, aber ich würde das gern nochmal vertiefen, denn die Blümchen- und Essensfotos postenden Unternehmensaccounts scheinen ja nach wie vor gegenüber denen, die wirklich hinter die Kulissen blicken lassen, in der Überzahl zu sein. Was glaubst Du, woran das liegt?

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Was tun mit veralteten Blogbeiträgen?

WordPress

Vor lauter Rekonvaleszenz habe ich den 7. Geburtstag dieses Blogs „In Sachen Kommunikation“ verschlafen… Eigentlich gab es mein Blog ja auch schon vor dem 26. April 2009, nur eben in englischer Sprache. Dort habe ich bereits seit Ende Juli 2008 „About Communication“ geschrieben, weil ich anfangs mehr international vernetzt war. Das hat sich dann via Twitter und schließlich auch Facebook geändert und die Wünsche nach einer deutschen Übersetzung meiner Artikel waren nicht mehr zu überhören. Also dachte ich ganz blauäugig, ich könnte ja zweisprachig bloggen. Das wurde mir dann aber schnell zu anstrengend und so blieb dann nur noch das deutsche Blog übrig.

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Keine Angst vor Technik! – Annette Schwindt im Gespräch mit Jan-Peter Lambeck

Annette SChwindt und Jan-Peter Lambeck

Annette SchwindtHallo Jan-Peter, toll, dass Du Dich bereit erklärt hast, mit mir ein Gespräch zum Thema technisches Verständnis bei der Internetnutzung zu führen. Darauf gekommen sind wir anlässlich der Diskussion um die Erklärung des Landgerichts Düsseldorf, der Likebutton und die Social Plugins von Facebook seien rechtswidrig.

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Digitale Kommunikation für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Annette Schwindt und Christian Müller

Mein Netzwerk-Kollege Christian Müller von sozial-pr hat mich kürzlich zum Podcast eingeladen, um sich mit mir über digitale Kommunikation für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu unterhalten. Denn während in großen Unternehmen der Kommunikationswandel inzwischen angekommen zu sein scheint, haben die kleineren damit noch so ihre Probleme…

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„Ich probiere so viel wie möglich aus“ – Interview mit Thomas Schwenke zu #meinweginsweb

Thomas Schwenke

Wenn man morgens um Viertel vor fünf von einem Anwalt geweckt wird, bedeutet das normalerweise nichts Gutes. Wenn der Anwalt aber Thomas Schwenke heißt und einen gerade aus Australien anchattet, ist das was anderes. 😉 Danke, lieber Thomas, dass Du Dir im Urlaub am anderen Ende der Welt Zeit fürs Beantworten meiner Fragen genommen hast! Da freue ich mich gleich doppelt aufs Lesen! 😉

Thomas SchwenkeBitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Tätigkeit, Website, Facebook, Twitter, Google+, drei Hashtags)

Mein Name ist Thomas Schwenke, ich bin in Berlin als Rechtsanwalt für Marketingrecht und Datenschutz tätig, forsche an der Universität Oldenburg zu rechtlichen Aspekten von Datenbrillen, bin Autor (Social Media Marketing & Recht, O’Reilly) Blogger und Podcaster.

Meine Hashtags: #rechtsanwalt #rechtsbelehrung #datenschutz

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?

Online bin ich seit 1995, erste Website seit 1997, erstes Blog seit 2004. Das erste soziale Netzwerk war Facebook, das ich seit dem Jahr 2006 nutze. Nach meinen Studium in Neuseeland merkte ich, das Facebook mir die Möglichkeit bot, um mit Freunden in der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben.

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?

Oh ja, es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht etwas Neues lese, erfahre oder einen hilfreichen Ratschlag erhalte. Es wäre aber eine sehr lange und mit jedem Tag längere Liste, zu der insbesondere auch Annette Schwindt gehört, weshalb ich hier einfach allen in der Community danke.

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt (nenne die wichtigsten Meilensteine)?

Es begann mit einer Faszination, die bis heute anhält. Was sich ändert, ist die Art und der Umfang der digitalen Kommunikation. Während ich am Anfang mit einem Modem „ins Netz ging“, bin ich mit meinem IPhone jederzeit und fast überall verbunden. Zum Beispiel tippe ich diese Antwort an einem weit abgelegenen Strand in Süden Australiens und schicke gleich das passende Bild (s. oben) mit.

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?

Ich denke, es waren einige Entscheidungen, die angesichts des angestrebten Zieles unrichtig waren, wie Geschäftsideen oder Onlinetools. Dennoch verlaufe ich mich lieber, als dass ich einen Weg erst gar nicht antrete. So kitschig es klingt, merkt man oft erst auf dem Weg, wo dieser hinführt und wo man überhaupt hin möchte.

Daher probiere ich so viel wie möglich aus und habe Freude daraus zu lernen. So habe ich als Finanzbeamter gearbeitet, hatte eine Onlineagentur, war Programmierer und konnte letzendlich all die Erfahrungen in meinem Beruf vereinen. Also hat sich letztendlich alles gelohnt.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?

Neugierig sein, beobachten, lesen und ausprobieren. Ich für meinen Teil kann das Lernen am Projekt, statt trockener Theorie empfehlen. Ich nutze dazu z.B. meine Reisen und versuche sie jeweils auf eine neue Art zu begleiten. So lernte ich die Eigenheiten des Bloggens, YouTube-Publishing und mache mich derzeit mit Snapchat vertraut. All die Erfahrungen konnte ich anschließend in meiner anwaltlichen Beratung einsetzen.

Das müssen aber keine Reisen, sondern können z.B. auch Hobbies oder ehrenamtliche Projekte sein.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?

Derzeit ist es Snapchat. Mir gefällt der Gedanke der Unmittelbarkeit und Vergänglichkeit. Als Jurist gefällt mir das geringere rechtliche Risiko der kurzlebigen Snaps.

Allerdings kommt es immer auf den Zweck an. Für Bilder nutze ich am liebsten Instagram, zur Information und Kommunikation Twitter, während Facebook quasi die private und berufliche Basis ist. Was Unterhaltung angeht, ist 9Gag meine Wahl.

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?

In der Zukunft freue ich mich auf eine Welt, in der die informationelle Dimension ebenso ein Bestandteil unseres Alltags sein wird, wie die materielle Welt. Dazu bedarf es jedoch effizienterer Schnittstellen, als der Bildschirme unserer Mobiltelefone. In meinen Augen liegt die Zukunft in einer mit Hilfe von Smartglasses, Smartlenses oder gar neuronalen Implantaten Wahrnehmung unserer körperlichen und digitalen Umwelt als eine einheitliche Realität.

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitale Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?

Entdeckt, probiert aus, aber vergesst die rechtlichen Spielregeln nicht. Die Basics, wie z.B. des Urheberrechts, sind nicht allzu schwer zu erlernen und geben bei digitaler Kommunikation die nötige Sicherheit.

Herzlichen Dank fürs Mitmachen, lieber Thomas! 🙂

Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb.

„Wir müssen auch zuhören!“ – Raul Krauthausen im Interview zu #meinweginsweb

Raul Krauthausen

Mit meinem heutigen Interviewpartner verbinden mich verschiedene Internet-Projekte in Sachen Menschen mit Behinderung, weshalb Raul Krauthausen auch zum Netzwerk von schwindt-pr gehört. Wie er aber ursprünglich dazu gekommen ist, sich mit digitaler Kommunikation zu beschäftigen, wusste ich bisher nicht. Zeit, ihn in meiner Interviewreihe #meinweginsweb zu Wort kommen zu lassen:

Raul KrauthausenBitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Tätigkeit, Website, Facebook, Twitter, Google+, drei Hashtags)
Mein Name ist Raul Krauthausen, ich wohne in Berlin, arbeite beim gemeinnützigen Verein SOZIALHELDEN e.V. und blogge unregelmäßig unter www.raul.de über Projekte und zu den Themen Behinderungen, behindert sein/behindert werden, Inklusion und Barrierefreiheit.

Meine wichtigsten Social-Media-Kanäle sind:

Meine drei Hashtags wären: #Inklusion, #Barrierefreiheit und #desKleinenMannes

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?
Ich glaube, meine erste Website hatte ich 1997. Damals noch bei AOL. Aus dieser Zeit ungefähr stammt auch noch meine Domain raul.de, als es noch vierstellige Domainnamen gab. 😉

Ich fing an, mir HTML beizubringen, und blubberte Unbedeutendes ins Netz. Um die 2000er begann ich dann, mit Blogsoftware zu experimentieren und über meine Arbeit und Projekte bei diversen Werbeagenturen zu schreiben.

Das erste Social Network, dem ich beitrat, war glaube ich StudiVZ. Da waren anfangs all meine Freunde. Später dann bin ich beruflich Facebook und Twitter beigetreten. Inzwischen experimentiere ich mit Snapchat, Instagram und YouTube.

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?
Ja. Es war ganz maßgeblich Johnny Haeusler von spreeblick.com. Er arbeitete damals bei Radio Fritz und ersann die Sendung “Trackback”. Das hat mich schwer beeindruckt. Ich fand es spannend, wie Radio und Internet begannen zu verschmelzen. Johnny hat auch eine super gute Art zu schreiben. Sie ist nicht so belehrend, sondern einfach empathisch und fragend demütig gegenüber dem, was gerade als “Neuland” auf uns zu kommt.

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt (nenne die wichtigsten Meilensteine)?
Anfangs lernte ich einfach HTML. Später dann beschäftigte ich mich beruflich in Werbeagenturen und dann ebenfalls bei Radio Fritz mit Internetkonzeption. Mich faszinierte die Fragestellung, was können wir unseren Hörern bieten, was es noch nicht gibt? Wie kann das Netz dabei helfen, mit den Hörern in einen Dialog zu treten?

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?
Ja, wir fingen an, eine eigene Community zu bauen. Mit allem Drum und Dran. In einer Zeit, in der eigentlich schon alle Hörer bei StudiVZ, MySpace oder Facebook waren. Es machte, rückwirkend betrachtet, keinen Sinn, es als öffentlich-rechtliche Anstalt technisch mit den Großen aufzunehmen. Stattdessen hätten wir gleich dort hingehen sollen, wo die Hörer sind. Das haben wir dann letztendlich auch gemacht.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?
Ich glaube, dass es Sinn macht, sich zu überlegen, was man der Welt da draußen mitteilen möchte. Was ist der USP, das Alleinstellungsmerkmal? Ich habe mir irgendwann überlegt, dass es bei mir die Tatsache ist, dass ich eine Behinderung habe. Ich möchte den Followern für zehn Sekunden am Tag einen kurzen Einblick in das Leben eines Menschen mit Behinderung geben. Mit all seinen witzigen, tragischen oder auch langweiligen Situationen.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?
Um ehrlich zu sein, ganz langweilig, mag ich Facebook gerade am meisten. Denn es ist, was meinen Freundeskreis angeht, das am weitesten verbreitete.

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?
Ich bin gespannt, wie sich VR auf Facebook und YouTube entwickeln wird. Und ob die Jugend Facebook wirklich abschwört, wie ja gerne behauptet wird. Ist Snapchat wirklich das neue Ding?

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitale Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?
Ja, ich finde es ungemein wichtig, dass wir das Internet nicht ausschließlich als Sendeplattform wahrnehmen, sondern auch zuhören, was zurückkommt. Was die Leser sich wünschen, rückmelden oder kritisieren. Ich finde, das passiert noch viel zu selten.

Herzlichen Dank für Deine Antworten, lieber Raul! 🙂

Foto © Andi Weiland

Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb.