Es geht mir ums Zuhören und Weiterentwickeln

Interview mit der Bloggerin und Buch-Autorin Annette Schwindt

Annette, du giltst in Deutschland schon lange als Social-Network-Fachfrau – und das nicht erst, seit dein Facebook-Buch erschienen ist. Inzwischen gibt es davon schon die dritte Auflage. Dem Wunsch Deiner Fans ist es zu verdanken, dass es von dir auch ein ebensolches Werk zu Google+ gibt. Du bist also aktiv auf mehreren Kanälen. Wo siehst du denn heute deinen Schwerpunkt?

In der Online-Kommunikation generell, wobei natürlich die meisten Fragen immer noch zu Facebook kommen. Mit Google+ werden viele erst langsam warm, aber ich bin zuversichtlich, dass sich das noch ändern wird.

Ich lege Wert darauf, den Leuten zu zeigen, dass Sie – zumindest was die geschäftliche Nutzung angeht – eine Plattform nicht isoliert betrachten dürfen. Jeder Kommunikationskanal sollte sinnvoller Teil eines Ganzen sein. Deshalb stelle ich in meinem Blog auch immer wieder andere Dienste als Facebook oder Google+ vor, mit denen die Gesamtkommunikation sinnvoll ergänzt werden kann, und betone immer wieder, dass die Basis (Website oder Blog) stimmen muss, bevor man sich ins Social Web begibt.

Die Fragen, die dir auf deiner Facebook-Page oder bei Google+ gestellt werden, beziehen sich oft auf sehr kleine, einzelne Details. Dabei sind wir uns ja mit den meisten Kollegen einig, dass die professionelle Onlinekommunikation immer vernetzt betrachtet und betrieben werden muss, damit sie funktioniert. Wie weit sind da deiner Ansicht nach deutsche Unternehmen – gerade auch kleine und mittelständische?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche machen das schon richtig gut, andere haben noch gar nicht begriffen, welches Potential in der Onlinekommunikation steckt. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Es geht um Mundpropaganda. Nur eben in digitaler Form und damit deutlich effektiver als offline.

Trotzdem stecken viele Unternehmen ihr Geld noch lieber in teure Printwerbung, statt sich mit Facebook und Co. auseinanderzusetzen. Größere Unternehmen können es sich leisten, einen eigenen Mitarbeiter oder gar Stab für so etwas einzustellen. Kleine Unternehmen sind aufs Selbermachen angewiesen. Und wenn dann gar keine Affinität zum Thema Online-Kommunikation da ist oder erhebliche Bedenken und sogar Angst bestehen, dann wird es schwierig.

Ich versuche mit meiner Arbeit, diese Angst abzubauen und die Thematik möglichst laienkompatibel zu erklären. Interessanterweise zieht das auch die größeren Unternehmen oder Beraterkollegen an, auch wenn die es nicht immer öffentlich zugeben. ;-)

“Anziehen” – was heißt das? Andere Profis nutzen deine absichtlich für Einsteiger formulierten Erklärungen für ihre professionelle Kommunikation?

Nun, in Rezensionen wird oft betont, dass das “halt was für Anfänger” sei. Aber persönlich sagen mir schon einige Kollegen, dass sie meine Bücher in eigenen Projekten nutzen und ihren Kunden empfehlen. Manche Agenturen kaufen meine Bücher auch gleich en gros und machen Sie zur Pflichtlektüre für die Mitarbeiter. Dabei sind meine Bücher ja auch für beides gedacht: Für Anfänger zum Lernen und für bereits Aktive zum Nachschlagen.

Das ist ja nun auch kein Wunder. In Sachen Social Web besteht gerade in Deutschland noch erheblicher Entwicklungs- und Klärungsbedarf. Ich bin beispielsweise immer wieder erstaunt, dass es nach wie vor etliche Werbe- und PR-Agenturen gibt, für die Social Networks kaum ein Thema sind. Da liefern deine Bücher ja eine solide Basis. Was rätst du denn jemandem, der ganz neu in das Thema Social Media und eigene Web-Präsenz einsteigen will?

Ich rate ihm, sich erst einmal umzuschauen, wie andere es machen, und sich dann zu überlegen, was ihm daran gefällt und was nicht – und das für die eigene Nutzung weiter zu entwickeln. Anfangen sollte er dann mit einer eigenen Website und wenn es nur eine Web-Visitenkarte mit Impressum ist. Sie ist die Basis für sämtliche Aktionen im Web. Präsenzen in sozialen Netzwerken sind dann “Außenposten” dieser Basis und dienen dem direkten Dialog, dem Netzwerken und vor allem dem Weitersagen.

Gerade in Facebook und Google+ können die häufigen Neuerungen und die Vielzahl der Funktionen verwirrend sein, wenn sich jemand nicht ständig damit beschäftigen kann. In meinem Blog und im Facebook-Buch ebenso wie im Google+Buch versuche ich daher, den Lesern eine “Gebrauchsanweisung” für diese sozialen Netzwerke an die Hand zu geben. Sie können die Bücher entweder als Kurs von vorn nach hinten durcharbeiten oder sie als Nachschlagewerk benutzen, um sich Tipps für konkrete Details zu holen.

Das ist ja ein erheblicher Aufwand, den du da betreibst. Du bist praktisch ständig präsent. Du antwortest gleich auf mehreren Kanälen auf die Fragen deiner Fans und Leser… Ganz direkt gefragt: Was bringt dir das denn selbst – unternehmerisch und vielleicht auch persönlich?

Dank Smartphone werde ich über die meisten eingehenden Fragen direkt benachrichtigt und kann zeitnah reagieren. Ich gönne mir aber auch bewusste Pausen, in denen ich dann eben mal nicht sofort antworte.

Die Interaktion mit meinen Fans und Lesern hat mich ja überhaupt erst zu dem gebracht, was ich heute tue. In diesen Gesprächen erfahre ich, welche Probleme die Nutzer bewegen, wo noch Erklärungsbedarf besteht und welche Themen eine eingehendere Betrachtung wert sein könnten. Das bedeutet: ich teile nicht nur mit, sondern höre vor allem zu und beteilige mich auch an Gesprächen bei anderen. Dabei entwickle ich meine eigene Arbeit ständig weiter.

Der unternehmerische Aspekt steht dabei für mich nicht im Vordergrund. Mir ist es wichtig, mich mit anderen auszutauschen und dabei auf interessante Menschen zu stoßen. Daher habe ich auch meine Arbeit inzwischen mehr auf das Schreiben ausgerichtet.

In dem Beitrag Seit zehn Jahren als schwindt-pr unterwegs beschreibst du deine Arbeit bis Mitte 2012. Was planst du für die kommenden Jahre?

Ich habe festgestellt, dass mir das Schreiben am meisten Spaß macht. Egal ob es dabei um Bücher oder um Artikel in meinem Blog oder in anderen Medien geht. Deshalb denke ich, dass ich das noch weiter ausbauen werde. Außerdem halte ich gerne Vorträge via Hangout oder Skype, reisen kann ich ja nicht.

Alles in allem bin ich vollauf zufrieden damit, wie es jetzt ist. Ich kann schon allein aus gesundheitlichen Gründen nicht lange im Voraus planen, also lasse ich mich gern überraschen. ;-)

Okay, Abschlussfrage: Eine gute Fee erscheint, und du hast genau einen Wunsch für die professionelle Kommunikation im Social Web – was wünschst du dir?

Dass die Leute endlich den Unterschied zwischen Social-Media-Marketing und traditionellem Marketing begreifen und anfangen, vernünftig zu kommunizieren, also einfach Gespräche miteinander zu führen!

Die Fragen stellte Kerstin Hoffmann

Vielen lieben Dank, @Kerstin! :-)